Bismarck-Museum

Otto von Bismarck als Landtagsabgeordneter

Daguerreotypie von Philipp Graff (1813 – 1851), Berlin, 1848

Diese erste Fotografie von Bismarck zeigt ihn als Abgeordneten des Zweiten Preußischen Landtags, der sich Anfang April 1848 für gut eine Woche versammelte. Nach den Märzunruhen sollte bei jener Versammlung der Provinzialstände unter anderem über eine einzurichtende preußische Nationalversammlung und eine damit einhergehende Verfassungsgebung debattiert werden. In der Eröffnungssitzung verweigerte der konservative Otto von Bismarck seine Zustimmung zu einer Adresse an König Friedrich Wilhelm IV., in der ihm für die unter dem Druck der Revolution in Aussicht gestellten Zugeständnisse – beispielsweise die Unterstützung für ein gesamtdeutsches Parlament – gedankt werden sollte.

Der 33-jährige Bismarck, der auf dem Foto untypisch mit Vollbart zu sehen ist, galt als absolut königstreu und trat noch im März entschieden für eine bewaffnete Gegenrevolution ein.

Standuhr

Uhrenfabrik Gustav Becker, Freiburg/Schlesien, Nussbaum, Geschenk zum 1. April 1885

Diese Standuhr war ein Geschenk des Uhrenfabrikanten Gustav Becker aus Freiburg in Schlesien. Die Gravuren verweisen auf Leben und politisches Werk Bismarcks und thematisieren seinen Lebenslauf von seiner Geburt 1815 bis zum Beginn der Berliner Afrika-Konferenz am 15. November 1884.
 

Stammbaum

Kunstgewerbliche Werkstatt Georg Hulbe, Hamburg und Berlin, Leder, um 1890

Der Stammbaum zeigt einen Ausschnitt aus der Stammtafel der Familie, die sich bis um das Jahr 1200 zurückverfolgen lässt. Er ist von unten nach oben zu lesen und beginnt mit Henning III. von Bismarck, der 1526 auf Burgstall in der Altmark nachgewiesen ist. Die Tafel endet mit Gräfin Irene von Bismarck, der 1888 geborenen Enkeltochter des Reichskanzlers. Otto von Bismarck ist durch eine Fürstenkrone gekennzeichnet.

Bei dem vermeintlich nur für die Familiengeschichte Bismarcks interessanten Stammbaum handelt es sich um ein kunstgeschichtlich bedeutendes Objekt. Es entstammt der Werkstatt des Hamburger Buchbinders und Leder-Kunsthandwerkers Georg Hulbe (1851 – 1917). Hulbes Punzarbeiten in allen Formatgrößen waren im ausgehenden Historismus und beginnenden Jugendstil begehrte Renommierstücke des gehobenen Bürgertums. Er unterhielt Filialen an den besten Adressen Hamburgs, Berlins und Frankfurts, zu seinem Portfolio gehörten unter anderem die Innenausstattung des Reichstags in Berlin und des Hamburger Rathauses sowie Goldene Bücher bedeutender Städte und andere „Staatsarbeiten“.

Fechtausrüstung

1832/33



Als Mitglied des studentischen Corps Hannovera war Bismarck ein aktiver Fechter. Allein in seinen zwei Göttinger Jahren focht er beachtliche 25 Mensuren (studentische Fechtkämpfe mit strengen Regularien). Dabei erwarb er sich einen hervorragenden Ruf und galt als einer der besten „Paukanten“ (Fechter) der Stadt. Er profitierte dabei vor allem von den Erfahrungen, die ihm der langjährige Göttinger Universitätsfechtmeister Kastrop vermittelte.



Zu sehen sind hier vier studentische Fechtwaffen in unterschiedlichen Ausführungen. Zu erkennen sind beispielsweise Korb- und Glockenschläger (namensgebend ist der Handschutz, der korb- bzw. glockenförmig gestaltet ist). Die beiden Helme wurden ausschließlich beim Pauken, also beim Übungsfechten, getragen und schützten das Gesicht mit einem Metallgitter. Bei der eigentlichen Mensur wurden lediglich die Augen sowie Halspartien mit Schutzkleidung bedeckt.

 

Fechtausrüstung

1832/33

Als Mitglied des studentischen Corps Hannovera war Bismarck ein aktiver Fechter. Allein in seinen zwei Göttinger Jahren focht er beachtliche 25 Mensuren (studentische Fechtkämpfe mit strengen Regularien). Dabei erwarb er sich einen hervorragenden Ruf und galt als einer der besten „Paukanten“ (Fechter) der Stadt. Er profitierte dabei vor allem von den Erfahrungen, die ihm der langjährige Göttinger Universitätsfechtmeister Kastrop vermittelte.

Zu sehen sind hier vier studentische Fechtwaffen in unterschiedlichen Ausführungen. Zu erkennen sind beispielsweise Korb- und Glockenschläger (namensgebend ist der Handschutz, der korb- bzw. glockenförmig gestaltet ist). Die beiden Helme wurden ausschließlich beim Pauken, also beim Übungsfechten, getragen und schützten das Gesicht mit einem Metallgitter. Bei der eigentlichen Mensur wurden lediglich die Augen sowie Halspartien mit Schutzkleidung bedeckt.
 

Park und Schloss Schönhausen

Aquarell von Adolf Müller (1838 – 1914), 1863

Das Bild bietet einen Blick aus dem Park auf das Herrenhaus in Schönhausen. Otto Eduard Leopold von Bismarck wurde dort am 1. April 1815 geboren. Seine Eltern verpachteten das Familiengut 1816 und zogen mit ihm und seinem älteren Bruder Bernhard nach Pommern, wo sie drei Güter von einer Verwandten kauften. Bismarck erbte nach dem Tod seines Vaters den Familienstammsitz in Schönhausen und ließ die landwirtschaftliche Bewirtschaftung fortsetzen.

Das barocke Herrenhaus wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1958 gesprengt. Erhalten geblieben ist ein Seitenflügel, in dem sich seit 1998 das Bismarck-Museum Schönhausen befindet.

Otto von Bismarck als Bundestagsabgeordneter

Gemälde von Jakob Becker (1810 – 1872), Öl/Leinwand (Reproduktion), 1855

Dieses Porträt Otto von Bismarcks entstand im Jahr 1855, als er den Posten des preußischen Bundestagsgesandten in Frankfurt am Main bekleidete. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits vier Jahre am Sitz des Bundestags tätig und auf dem (nationalen) diplomatischen Parkett angekommen.

Der etwa 40-jährige Bismarck trägt auf dem Gemälde die Insignien des St. Johanniter-Ordens, der ihm am 18. Januar 1852 – damals noch als Rat der preußischen Gesandtschaft am Bundestag und Geheimer Legationsrat – verliehen worden war. Der Frankfurter Künstler Jakob Becker, dessen Familie in engem freundschaftlichem Kontakt zu den Bismarcks stand, porträtierte den späteren Reichskanzler, der noch bis Anfang 1859 auf seinem Posten in Frankfurt verblieb.

Johanna von Bismarck (1824 – 1894)

Gemälde von Jakob Becker (1810 – 1872), Öl/Leinwand (Reproduktion), 1859

Das Gemälde zeigt Bismarcks Ehefrau Johanna kurz bevor die Familie im Mai 1859 aus Frankfurt fortzog, weil ihr Mann zum preußischen Gesandten am Hof des russischen Zaren in St. Petersburg ernannt worden war. Die in der Main-Metropole verbrachte Zeit nannte sie rückblickend die glücklichste ihres Lebens.
Das Paar hatte 1847 geheiratet und drei Kinder: Herbert (1849 – 1904), Marie (1848 – 1926) und Wilhelm (1852 – 1901).

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen

Lithografie von Carl Friedrich Gustav Loeillot de Mars (um 1803 – um 1880), um 1840

Friedrich Wilhelm IV. war von 1840 bis 1861 König von Preußen. Sein Amtsantritt war von Hoffnungen der Liberalen begleitet, die sich von ihm die Verabschiedung einer Verfassung versprachen. Durchdrungen von der Idee des Gottesgnadentums lehnte der König aber Zugeständnisse an das liberale Bürgertum ab. Nach mehreren Schlaganfällen musste er die Regierung 1858 an seinen Bruder Prinz Wilhelm übergeben.

Bismarck war Friedrich Wilhelm IV. erstmals 1847 auf seiner Hochzeitsreise in Venedig begegnet.

Ölzweig im Zigarrenetui

Ölbaum/Leder/Metall, um 1862

Aufgrund des Konflikts um die preußische Heeresreform wurde Bismarck am 15. September 1862 telegraphisch aus seinem Urlaub in Südfrankreich nach Berlin gerufen. Vor seiner Abreise aus Avignon bekam er als „Friedens Kündiger“ einen Ölzweig überreicht, den er fortan in seinem Zigarrenetui aufbewahrte. Bei seiner ersten Rede als Ministerpräsident am 30. September schlug er der Budgetkommission des preußischen Landtages die Beilegung des Heereskonflikts vor. Als Symbol seiner Kooperationsbereitschaft zeigte er den Ölzweig, richtete jedoch an die Opposition die bekannten, provozierenden Worte:
„Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht; nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […], sondern durch Eisen und Blut.“

Amboss mit sieben Werkzeugen

Hergestellt von Hans Freidel, Eiche/Metall/Leder, 1895

In zahlreichen historischen Darstellungen wurde Otto von Bismarck als „Schmied des Deutschen Kaiserreichs“ gefeiert. Die Bergische Schmiede in Remscheid nahm diese Metapher wörtlich und schenkte dem ersten Reichskanzler zum 80. Geburtstag am 1. April 1895 diesen üppig ausgeschmückten Amboss. Die eingelassene Aufschrift „Nord“ und „Süd“ soll für die Einheit des Reiches stehen.

Revolver

Hersteller: Joseph Chaineux, Lüttich, Metall/Elfenbein

Der Tübinger Student Ferdinand Cohen-Blind verübte am 7. Mai 1866 auf dem Berliner Boulevard Unter den Linden ein Attentat auf den preußischen Ministerpräsident Bismarck. Mit dessen Ermordung wollte er eine kleindeutsche Reichsgründung unter Ausschluss Österreichs verhindern. Der preußische Ministerpräsident wurde durch die Schüsse aus diesem kleinen Revolver nur leicht verletzt und konnte den Attentäter mithilfe eines Passanten überwältigen. Cohen-Blind wurde schließlich von einem zufällig vorbeimarschierenden Bataillon der preußischen Armee festgenommen. Er nahm sich noch in derselben Nacht in Gewahrsam das Leben.

Bei der Waffe handelt es sich um einen Bündelrevolver des belgischen Herstellers Joseph Chaineux aus Lüttich, der jene Art Schusswaffen ab 1850 verkaufte. Der Revolver ist an Bündel und Rahmen mit Gravuren verziert, sein Griff aus Elfenbein gefertigt. Verschossen wurden Stiftzünder- bzw. Lefaucheuxpatronen vom Kaliber 7mm, gezündet durch einen seitlich aus der Patrone herausragenden Stift, der auf die Treibladung schlägt.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses virtuellen Rundgangs waren der Revolver und das Unterhemd, das Bismarck bei diesem Attentat trug und das leicht beschäftigt wurde, an eine andere Ausstellung verliehen.

Ehrenbürgerbrief Berlin

Unter den mehr als 400 Ehrenbürgerschaften Bismarcks sticht die am 27. März 1871 durch den Magistrat der „Haupt- und Residenzstadt“ Berlin verliehene hervor. Sie gehörte einerseits zu den frühesten Ehrungen dieser Art. Andererseits war die verleihende Stadt nicht irgendeine Kommune, sondern die frisch gekürte Reichshauptstadt. Diesen Status verdankte Berlin, bis dahin Hauptstadt des Königreichs Preußen und seit 1867 auch Sitz des Bundespräsidiums des Norddeutschen Bundes, der durch die Politik Otto von Bismarcks und das militärische Geschick Hellmuth von Moltkes zu Stande gekommenen deutschen Einheit. Beide wurden noch vor der Unterzeichnung des Friedenvertrags mit Frankreich geehrt. Die in einem Klapprahmen mit zwei Türen präsentierte Urkunde wurde von keinem Geringeren als Adolph Menzel als Gouache auf Pergament geschaffen.

Grafen-Diplom

Gouache von G. Berger, Kalligraphie von Brandrupp, 1865

Am 15. September 1865 wurden Otto von Bismarck und seine „Deszendenz“ durch den preußischen König Wilhelm in den erblichen Grafenstand erhoben. Der auf Pergament geschriebene Adelsbrief bezeugt diese Nobilitierung durch die eigenhändige Unterschrift des Königs und das königlich-preußische Siegel, das sich in der silbernen Kapsel befindet. Die hier zu sehenden Seiten 8 und 9 beschreiben das gräfliche Wappen und bilden es zudem in Gouache-Farbe gemalt ab.

Die Standeserhebung Bismarcks wird in dem Diplom mit seinen Verdiensten für Preußen begründet. Tatsächlich wurde etwa einen Monat vor seiner Nobilitierung die Gasteiner Konvention unterzeichnet, in der sich Preußen und Österreich über die Rechte an Schleswig und Holstein einigten. So fiel beispielsweise das Herzogtum Lauenburg gegen eine Zahlung an das Königreich Preußen, das sein Territorium dadurch erweiterte.

Reitergefecht bei Mars-la-Tour

Emil Hürten (1827 – 1902), Öl/Leinwand, 1878

Im Deutsch-Französischen Krieg gelang der 2. Armee unter dem Kommando des Prinzen Karl Friedrich von Preußen am 16. August 1870 in der Schlacht bei Mars-la-Tour / Vionville (auch Schlacht von Rezonville) ein erster entscheidender Sieg. An einem Reitergefecht waren auch die beiden Söhne Otto von Bismarcks als einjährig-freiwillige Fähnriche im 1. Garde-Dragoner-Regiment, das zur 3. Garde-Kavallerie-Brigade gehörte, beteiligt. Herbert von Bismarck wurde bei der Attacke am Oberschenkel verwundet. Er und sein Bruder Wilhelm waren nach dem Kampf zunächst nicht auffindbar, und der besorgte Vater war erst wieder beruhigt, als beide Söhne ohne schwere Blessuren angetroffen wurden.

Dieses Ereignis wurde 1878 im Auftrag der Familie von Bismarck von Emil Hünten auf einem Gemälde festgehalten. Es zeigt das Einbrechen der Garde-Dragoner in die feindlichen Linien. Säbel schwingend stürzen sich Graf Wilhelm ohne (ganz links am Bildrand) und Graf Herbert von Bismarck mit Kopfbedeckung ins Schlachtengetümmel. Hünten hatte bei Wilhelm auf die Kopfbedeckung verzichtet, da ihn seine markante Kopfform an dessen Vater erinnerte. Herbert ist links von der im Zentrum des Bildes angeordneten Figur, dem im Kampf gefallenen Rittmeister Ludwig („Louis“) Graf von Westarp, zu erkennen. In der linken oberen Ecke ist die Ortschaft Mars-la-Tour abgebildet.

Das Gemälde war vermutlich als Weihnachtsgeschenk Johanna von Bismarcks für ihren Mann Otto gedacht und wurde noch rechtzeitig zu den Festtagen im Dezember 1878 vom Maler zugesendet. Es wurde positiv aufgenommen, aber Hünten wurde gebeten, einige in den Quellen nicht näher benannte Korrekturen vorzunehmen, die er vermutlich Anfang des Jahres 1879 in Friedrichsruh ausführte.

Stuhl von Donchery

Buche/Bast, vor 1870

Auf diesem Stuhl soll der französische Kaiser Napoleon III. am 2. September 1870, unmittelbar nach der verlorenen Schlacht von Sedan, vor dem Haus eines Webers in Donchery mit Otto von Bismarck über die Kapitulation verhandelt haben. Er begab sich anschließend ins Exil nach Kassel-Wilhelmshöhe. Mit ihm gerieten über 100.000 Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Fürst Bismarck, Kanzler des Deutschen Reichs

Reinhold Begas (1831 – 1911), Bronze, 1886

Die Büste zeigt Bismarck in den letzten Jahren seiner Amtszeit als Reichskanzler und Minister des Auswärtigen. Reinhold Begas war ein Hauptvertreter des für das Kaiserreich typischen neobarocken Stils. Zu seinen bedeutendsten Werken gehört das Bismarck-Denkmal, das 1901 vor dem Reichstagsgebäude in Berlin enthüllt und 1938/9 auf seinen heutigen Standort am Großen Stern im Berliner Tiergarten versetzt wurde.

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871)

Gemälde von Anton von Werner (1843 – 1915), Öl/Leinwand, 1885

Das Gemälde, ein Geschenk der kaiserlichen Familie zu Otto von Bismarcks 70. Geburtstag, ist die dritte und einzige erhaltene Fassung von insgesamt vier von Anton von Werner gemalten Bildern, die das dargestellte Ereignis vom 18. Januar 1871 festhalten. Es zeigt den auf einem Podest stehenden Kaiser Wilhelm I., an seiner rechten Seite Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III., zu seiner Linken Großherzog Friedrich I. von Baden, der das „Hoch auf Kaiser Wilhelm“ ausbrachte, und hinter dem neuen Kaiser die deutschen Bundesfürsten sowie die Regimentsfahnen. Vor dem Podium steht Bismarck mit dem Text der Proklamationsurkunde, links von ihm der Chef des Generalstabs, Helmuth von Moltke, etwas weiter rechts von ihm der preußische Kriegsminister Albrecht von Roon, hinter und neben Bismarck die deutschen Heerführer.

Werner malte die erste Fassung anlässlich des 80. Geburtstages Wilhelms I. für das königliche Schloss in Berlin, in der er Bismarck weniger herausgehoben darstellte. Die zweite Fassung entstand 1882 für das Zeughaus in Berlin, bei der Bismarck bereits stärker in den Mittelpunkt gerückt wurde. Eine vierte Fassung schuf der Maler 1913 als Wandbild in der Aula des Realgymnasiums in Frankfurt/Oder. Die ersten beiden Fassungen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, die vierte Fassung überstand zwar den Krieg, gilt aber spätestens seit 1948 als verschollen.

König Wilhelm I. von Preußen (1797 – 1888)

Christian Keil (1826 – 1888), Marmor, 1869

Die Büste zeigt Wilhelm I. in seiner Zeit als Präsident des Norddeutschen Bundes (1867-1871) in Uniform mit Orden. Er war seit 1861 König von Preußen und hatte zuvor schon seit 1858 als Prinzregent seinen erkrankten Bruder vertreten. Mit Otto von Bismarck als Ministerpräsidenten, Bundeskanzler und seit 1871 auch Reichskanzler verband ihn eine enge politische und menschliche Beziehung. Bis zu Wilhelms Tod regierten beide fast drei Jahrzehnte lang gemeinsam – und das keineswegs konfliktfrei. Dennoch steht die Büste von allen Monarchenporträts im Bismarck-Museum für die erfolgreichste Zusammenarbeit.
 

Fürsten-Diplom

Gouache von H. Rahde, Kalligraphie von Viez, unterzeichnet am 23. April 1873

Nachdem der preußische Ministerpräsident 1865 in den erblichen Grafenstand erhoben worden war, folgte nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Proklamation des Kaiserreichs die nächste Standeserhöhung. In Anerkennung seiner Verdienste um die Reichsgründung wurde der vormalige Graf am 21. März 1871 bei der Eröffnung des ersten Deutschen Reichstags in Berlin in den erblichen Fürstenstand erhoben.

Die hier aufgeschlagenen Seiten 6 und 7 sind deutlich stärker ausgestaltet als die des Grafendiploms, wobei die reich verzierten Initialen der Wappenbeschreibung auf der linken Seite besonders auffällig sind. Die Wappenseite wurde vom Vorsitzenden des Königlichen Heroldsamts Rudolf Graf von Stillfried-Alcántara entworfen: Das bismarcksche Wappen wird von einer Art Triumphbogen gerahmt, an dem die Flaggen der in den drei letzten Kriegen unterlegenen Königreiche zu sehen sind. Über dem Ensemble thront – vor einer strahlenden Sonne – der einköpfige schwarze Adler mit dem Wappenschild Preußens. Die Urkunde ist auf Seite 10 von Kaiser Wilhelm I. unterzeichnet, in der silbernen Kapsel befindet sich das königlich preußische Siegel.

Mitrailleuse

Herstellungsort: Lyon, Eisen/Holz, 1865

Das französische Schnellfeuergeschütz „Le Grand Malus“ (zu übersetzen mit „der große Ansturm“ oder „der große Schaden“) ist ein Vorläufer des Maschinengewehrs. Dieses Beutestück aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 schenkte Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1872 seinem Reichskanzler Otto von Bismarck.

Die Mitrailleuse ist der Gattung der Orgelgeschütze zuzuordnen. Sie besteht aus einem bronzenen Geschützrohr, das auf einer Holzkonstruktion mit zwei großen Rädern befestigt ist (Lafette). Innerhalb des Rohres befindet sich ein gusseiserner Block, der in fünf Lagen jeweils fünf Bohrungen aufweist. Jede dieser Bohrungen ist in ihrer Art mit dem Kugellauf eines Infanteriegewehrs vergleichbar. Der besondere waffentechnische Fortschritt der Mitrailleuse bestand darin, dass sie die Kraft von 25 einzelnen Gewehrschüssen in sich vereinte. Durch seitliches Kurbeln konnten die Läufe in kürzester Zeit nacheinander abgefeuert werden. Somit gilt die Mitrailleuse als Vorläufer des modernen Maschinengewehrs. Die Entwicklung wurde 1867 von Kaiser Napoleon III. in der französischen Armee eingeführt.

Bei Schnellfeuer konnte eine geübte Mannschaft in einer Minute höchstens fünf Salven à 25 Schuss, also 125 Kugeln, abfeuern. Diese Leistung war jedoch kein großer Vorteil, da die Geschosse über ihre knapp 1.100 Meter Reichweite so an Kraft verloren, dass sie nur schwache Treffer erzielen konnten. Hinzu kommt, dass die Waffe für ein Feldgeschütz viel zu unbeweglich war. Mehrere gut ausgebildete und treffsichere Soldaten erzielten mindestens die gleiche Wirkung und waren zudem weitaus beweglicher. Auf den mäßigen Erfolg des Modells weist auch die enorme Zahl der erbeuteten Exemplare hin: Bis zum Ende des Krieges im Mai 1871 gelangten insgesamt 1.915 Feldgeschütze und Mitrailleusen in die Hände der deutschen Soldaten. Die Franzosen hingegen erbeuteten nur acht Feldgeschütze.

Ihre geringe Wirkung führte dazu, dass die Mitrailleuse nach dem Krieg gegen Deutschland wieder ausgemustert wurde. Der Begriff Mitrailleuse hat sich in Frankreich jedoch bis heute als Bezeichnung für ein Maschinengewehr erhalten.

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, König von Ungarn (1830 – 1916)

Gemälde von Siegmund L‘ Allemand (1840 – 1910), Wien, Öl/Leinwand, 1884

Das persönliche Verhältnis der Staatsmänner war im 19. Jahrhundert ein wichtiger Faktor der außenpolitischen Beziehungen. Kaiser Franz Joseph I. schätzte Bismarck seit der außenpolitischen Wende des Habsburgerreiches 1871 als einen verlässlichen Bündnispartner. Er schenkte ihm das Gemälde anlässlich des Dreikaisertreffens in Skierniewice (Polen, damals von Russland annektiert) im September 1884.
 

Kaiser Wilhelm II. (1859 – 1941)

Gemälde von Caesar Philipp (1859 – 1930), nach einen Porträt von Heinrich von Angeli (1840 – 1925), Öl/Leinwand, um 1890

Am 15. Juni 1888 trat Kronprinz Wilhelm von Preußen die Nachfolge seines nur 99 Tage regierenden Vaters Friedrich III. an. Seine Zusammenarbeit mit Reichskanzler Otto von Bismarck war nicht nur durch die 44 Lebensjahre erschwert, die beide trennten. Auch in verschiedenen Politikbereichen, etwa in der Sozial- und Außenpolitik, vertraten sie konträre Ansichten. Schließlich führte ein Streit über eine Kabinettsordre aus dem Jahr 1852 zum Bruch: Bismarck hatte sich auf diese berufen, um die Kommunikation zwischen den Ministern und dem Monarchen kontrollieren zu können. Wilhelm II. fasste dies als Bevormundung auf. Bismarck reichte am 18. März 1890 sein Rücktrittsschreiben ein, zwei Tage später stellte ihm Wilhelm II. die Entlassungsurkunde aus und übersandte zum Abschied dieses großformatige Porträt seiner selbst.

König Umberto I. von Italien (1844 – 1900)

Odoardo Gelli (1852 – 1933), Öl/Leinwand, 1889

Der König von Italien war Bündnispartner des Deutschen Reichs im Dreibund-Vertrag (1882) und beim Mittelmeerabkommen (1887). Er schenkte im Mai 1889 Bismarck dieses Gemälde.
 

Ludwig II. von Bayern

Ludwig II. (1845-1886) ist der Nachwelt als Märchenkönig mit architektonischen Ambitionen, neoabsolutistischen Herrschaftsvorstellungen und einem tragischen Tod durch Ertrinken in Erinnerung geblieben. Für Otto von Bismarck war der Wittelsbacher hingegen der nach dem Ausscheiden Österreichs ranghöchste deutsche Fürst. An Ludwigs Königreich Bayern vorbei ließ sich die preußische Deutschlandpolitik nicht gestalten. Im Herbst 1870 kam ihm die Rolle zu, Wilhelm I. in dem von Bismarck entworfenen Kaiserbrief um die Annahme des Titels Deutscher Kaiser zu bitten. Für seine Einwilligung in das Unausweichliche erhielt er geheime Geldzahlungen, mit denen Bismarck ihn aus dem Welfenfonds bedachte. Auf diesem Stich aus dem Jahr 1874 ist Ludwig II. in dieser Lebensphase dargestellt.
 

Elfenbeinfigur

China, Elefantenstoßzahn/ Ebenholz, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1885 erreichte Otto von Bismarck ein aufsehenerregendes Geschenk: Die chinesische Kaiserin Cixi ließ ihm einen mit Schnitzereien reich verzierten Elefantenzahn zukommen, der auf einer Halterung aus Ebenholz ruht. Gefertigt wurde dieses Einzelstück im Stil der traditionellen Elfenbeinschnitzerei in der südchinesischen Provinz Guangdong. Für die Gravur wurden in mehreren Schichten für diesen Stil typische Techniken miteinander kombiniert, unter anderem die Emailschnitzerei und die Tiefdrucktechnik Intaglio. Die Schleifarbeiten sind sehr genau ausgeführt, die Figuren und dargestellten Szenen so rund und voll, dass sie Dreidimensionalität gewinnen. Die Darstellungen basieren auf der populären Literatur und auf Theaterstücken: Zu erkennen sind unter anderem die chinesische Heldin Fan Lihua, die in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends lebte und für ihre militärischen Fähigkeiten berühmt war, und die Tongquetai, die zu Beginn des ersten Jahrtausends die chinesische Geschichte prägten und durch die „Chroniken der drei Reiche“ populär geworden sind. Durch ihre Kostüme und Gesten sind die Hauptfiguren zugleich deutlich als Bühnenfiguren zu erkennen, während für einige kleinere Figuren und Szenen das traditionelle Muster der Elfenbeinschnitzerei beibehalten wurde.

Christus-Orden

Das Verhältnis Bismarcks zur katholischen Kirche war in den 1870er-Jahren durch seinen aggressiv geführten Kulturkampf stark zerrüttet. Erst unter Papst Leo XIII. (reg. 1878 – 1903) normalisierte sich die Beziehung langsam. Bismarck bat ihn 1885 darum, zwischen Spanien und dem Deutschen Kaiserreich im Streit um die Karolinen im Westpazifik zu vermitteln. Der Papst akzeptierte die Bitte und schlichtete den Konflikt – Spanien behielt die Oberhoheit, die Deutschen erhielten dafür Handelsfreiheit sowie das Niederlassungsrecht auf den Inseln.

Aus Dankbarkeit für die ihm zugedachte Schiedsrichterrolle verlieh Leo XIII. Bismarck am 31. Dezember 1885 den Christus-Orden in Brillanten, den höchsten päpstlichen Orden für Zivil- und Militärdienste. Das Kleinod besteht aus drei Teilen: einer Trophäenagraffe, der heraldischen Königskrone und dem Christuskreuz, wobei sowohl Agraffe als auch Krone mit Brillanten besetzt sind. Otto von Bismarck, der bis dato der einzige protestantische Träger dieses Ordens war, trug die eigentlich als Halsdekoration gedachte Auszeichnung an einer roten Schärpe.

Königin Victoria von England und Irland (1819 – 1901)

Gemälde von Henry Macbeth-Raeburn (1860 – 1947) nach einem Bildnis von Heinrich von Angeli (1840 – 1925), Öl/Leinwand, 1889

Im Jahr 1889 schenkte Queen Victoria Otto von Bismarck dieses Porträt. Die Schenkung folgte auf ihre Begegnung im Jahr zuvor bei der Beerdigung von Kaiser Friedrich III., dem Schwiegersohn der Queen – und obwohl ihre nun verwitwete Tochter Victoria den Reichskanzler geradezu hasste.

Ihr erstes Treffen über drei Jahrzehnte zuvor in Paris, im Sommer 1855, war weniger verbindlich ausgefallen, wie Bismarck sich später erinnerte: „Die Königin Viktoria sprach auf jenem Balle in Versailles mit mir deutsch. Ich hatte von ihr den Eindruck, daß sie in mir eine merkwürdige, aber unsympathische Persönlichkeit sah, doch war ihre Tonart ohne den Anflug von ironischer Ueberlegenheit, den ich bei dem Prinzen Albert durchzufühlen glaubte. Sie blieb freundlich und höflich wie Jemand, der einen wunderlichen Kauz nicht unfreundlich behandeln will.“

Graf Herbert von Bismarck (1849 – 1904)

Gemälde von Franz von Lenbach (1836 – 1904), Öl/Leinwand, datiert auf den 28.12.1894

Der älteste Sohn Otto von Bismarcks bekleidete nach dem Ende seiner Offizierslaufbahn seit 1874 verschiedene Positionen im Auswärtigen Dienst. Als Sekretär seines Vaters, Gesandter und Staatssekretär war er dessen treu ergebener Mitarbeiter. Im März 1890 schied er zusammen mit ihm aus seinen Ämtern aus.

Otto Fürst von Bismarck

Gemälde von Franz von Lenbach (1836 – 1904), Öl/Leinwand, 1880

Franz von Lenbach (1836-1904) war gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Porträtmaler überaus erfolgreich. Er fertigte Bilder nicht nur in schneller Folge, sondern fand auch den Kontakt zu berühmten Persönlichkeiten. Auch Bismarck ließ sich gerne von ihm malen, mehrere dieser Porträts sind hier im Bismarck-Museum Friedrichsruh zu sehen.
 

Berliner Kongress

Lichtdruck, Photographische Gesellschaft, Berlin, nach einem Gemälde von Anton von Werner (1843 – 1915)

Der Berliner Kongress war die Friedenskonferenz am Ende des Russisch-Türkischen Kriegs, zu der Otto von Bismarck im Sommer 1878 die Großmächte eingeladen hatte. Ziel war es, die dem Krieg zugrunde liegende Balkankrise zu beenden und eine Friedensordnung in Südosteuropa zu schaffen. Bismarck inszenierte das Kaiserreich bei diesem diplomatischen Spitzentreffen als vermittelnde Großmacht und sich selbst als „ehrlichen Makler“. Diese Rolle mögen ihm einige der Teilnehmer abgenommen haben, der traditionelle Verbündete Preußens, Russland, sah sich im Ergebnis des Kongresses jedoch übervorteilt. Auf dem Lichtdruck nach dem Gemälde Anton von Werners gibt Bismarck dem russischen Vertreter, dem Grafen Pjotr Schuwalow, noch einträchtig die Hand. Das knapp vier mal sechs Meter große Original hängt im Berliner Roten Rathaus.

Fächer vom Berliner Kongress

Obstholz

Zur Erinnerung an den Berliner Kongress unterschrieben auf dem Fächer folgende 24 Teilnehmer (v.l.n.r.):

1. Otto von Bismarck (Deutsches Reich)
2. Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (Deutsches Reich)
3. Alajos von Károlyi (Österreich-Ungarn)
4. Herbert von Bismarck (Deutsches Reich)
5. Joseph Maria von Radowitz (Deutsches Reich)
6. Mehmed Ali Pascha (Osmanisches Reich)
7. Charles de Saint-Vallier (Frankreich)
8. William Henry Waddington (Frankreich)
9. Heinrich Karl von Haymerle (Österreich-Ungarn)
10. Odo Russel (Großbritannien)
11. Eduardo de Launay (Italien)
12. Benjamin Disraeli (Großbritannien)
13. Pjotr Andrejewitsch Schuwalow (Russland)
14. Alexander Michailowitsch Gortschakow (Russland)
15. Gyula von Andrássy (Österreich-Ungarn)
16. Lodovico Corti (Italien)
17. Paul d’Oubril (Russland)
18. Hippolyte Desprez (Frankreich)
19. Alexander Karathéodory (Osmanisches Reich)
20. Sadoullah Bey (Osmanisches Reich)
21. Bernhard Ernst von Bülow (Deutsches Reich)
22. Karathéodory Effendi (Osmanisches Reich)
23. Charles de Moüy (Frankreich)
24. Lothar Bucher (Deutsches Reich)

Reichstagseröffnung durch Kaiser Wilhelm II.

Lichtdruck auf Karton, Photographische Gesellschaft, Berlin, um 1895, nach einem Gemälde von Anton von Werner (1843 – 1915), Öl/Leinwand, 1893

Diesen Lichtdruck mit Widmung schenkte der Maler Anton von Werner Otto von Bismarck zum 80. Geburtstag am 1. April 1895. Zu sehen ist die Zeremonie zur Reichstagseröffnung am 25. Juni 1888 im Weißen Saal des Berliner Schlosses. Während Kaiser Wilhelm II. in herrschaftlicher Pose hervortritt, erscheint Bismarck leicht gebeugt in weißer Kürassier-Uniform als sichtbar gealterter, nur wenig handlungsfähiger Mann. Das originale Gemälde befindet sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Pistole

Metall/Nussbaum; Tatwaffe vom 13. Juli 1874

In der politisch aufgeheizten Atmosphäre des Kulturkampfes wurde am 13. Juli 1874 in Bad Kissingen ein zweites Attentat auf Bismarck verübt. Da er sich in diesem Moment zur Begrüßung der zahlreich umherstehenden Schaulistigen vorbeugte, wurde er durch den Schuss aus dieser Vorderladerpistole nur leicht verletzt. Der Attentäter Eduard Kullmann (1853 – 1892), ein Böttchergeselle aus Magdeburg, wurde zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt, später folgt eine weitere Gefängnisstrafe von sieben Jahren. Er verstarb in der Haft.

Doppelkürass

Hersteller unbekannt, Metall (versilbert)/Messing/Seide /Leder; Besonderheit: montiertes Eisernes Kreuz 1. Klasse auf der linken Seite, um 1895

Otto von Bismarck war, obwohl er seine kurze „freiwillige“ Zeit beim Militär nur widerwillig erfüllt hatte, seit dem 18. Oktober 1868 Offizier à la suite des Magdeburgischen Kürassier-Regiments Nr. 7, ab dem 27. Januar 1889 Kürassier-Regiment „von Seydlitz“ (Magdeburgisches) Nr. 7. Nachdem der Ruheständler im Januar 1894 – zu diesem Zeitpunkt schon im Rang eines Generaloberst – anlässlich eines „Versöhnungstreffens“ mit Wilhelm II. per kaiserlicher Ordre zum Chef des Regiments ernannt worden war, erhielt er von ihm zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 diesen Doppelkürass.

Ein besonderes Merkmal dieses speziellen Paradekürasses ist die versilberte Außenseite der Rüstung. Die für Offiziere übliche Variante bestand lediglich aus einem vernickelten Corpus, während die einfachen Soldaten mit geschwärztem Eisen ausritten. Auch die Einfassungen der Ränder sind statt des üblichen Nickelüberzugs versilbert. Davon abgesehen, unterscheidet sich Bismarcks Geburtstagsgeschenk nicht wesentlich von den an Offiziere ausgegebenen Standardexemplaren: Die Nieten und Schuppenketten sind vergoldet und die Innenseite des Panzers ist mit gestepptem Seidenfutter ausgekleidet; Bauch- und Bandolierriemen sind identisch. Auffällig ist das Eiserne Kreuz I. Klasse an der linken Seite des Brustpanzers, das Bismarck als Weihnachtsgeschenk am 24. Dezember 1870 von Wilhelm I. erhalten hatte und an derselben Position angeschraubt ist, wie es üblicherweise am Waffenrock getragen wurde. Das Panzerkleid war zwar prachtvoll, aber „überall kneift und zwickt“ es, so die Beschwerde Bismarcks.

Pallasch mit Scheide

Waffenfabrik Weyersberg-Kirschbaum & Cie., Solingen, Metall, 1895

Dieser Pallasch wurde Otto von Bismarck anlässlich seines 80. Geburtstags von einer Delegation aus Solingen überbracht. Dazu reisten der Überlieferung nach 25 Personen inklusive Bürgermeister nach Friedrichsruh, wo sie laut eines Solinger Stadtchronisten eine „glühende Rede“ hielten und dem Fürsten das prächtige Geschenk überreichten.

Hergestellt wurde der Pallasch nach einem Entwurf des Bildhauers Wilhelm Albermann – besonders geschätzt für seine Bauplastiken, die noch heute in Köln und Umgebung besichtigt werden können – von der in Solingen ansässigen Fabrik Weyersberg-Kirschbaum & Cie. Diese ist bis heute für ihre qualitativ hochwertigen Klingen bekannt. Angelehnt ist die Waffe an das Modell M1880, das seit 1880 bei Offizieren in Gebrauch war. Trotzdem gibt es einige Abweichungen. Auffällig ist der komplett (üblicherweise nur teilweise) vergoldete und stark verzierte Korb, der eine Allegorie der Germania mit Pickelhaube zeigt, die dem „preußischen Aar“ die deutsche Kaiserkrone aufzusetzen scheint. Sowohl Haupt- als auch Nebenbügel verschmelzen mit dieser Szenerie, weshalb sie nicht so klar hervortreten wie auf den „gewöhnlichen“ Offizierswaffen. Der Griff ist mit Eichenlaub und dem Wappen(-spruch) Bismarcks verziert, der Knauf als Fürstenkrone gestaltet. Auf der Innenseite des Gefäßes findet sich zudem ein Bildnis Wilhelms I.

Die Ätzungen auf der Klinge sind ebenfalls auffällig. Neben verschiedenen Verzierungen und den an vier unterschiedlichen Positionen gravierten ‚Leistungen‘ Bismarcks (Dreibund, Colonisation, Gemeinsames Recht, Arbeiterschutz) findet sich auf der einen Seite folgender Dankesspruch: „Seiner Durchlaucht dem Fürsten Bismarck ihrem großen Ehrenbürger, der deutschen Einheit mächtiger Waffenschmiede, zum 80ten Geburtstage – Die dankbare Waffenstadt Solingen.“ Auf der anderen Klingenseite findet sich ein Sinnspruch in Reimen:

„Wir recken das Eisen zu mannhafter Wehr,
Wir geben die Waffen dem reisigen Heer –
In der Esse Gluthen, in Feuers Strahl,
Formt Meisterhand schneidig den klingenden Stahl.
Du schweißtest in Wettern Germanias Schwert,
Du schufest das Reich uns im Weltall geehrt,
Du schlangst um Alldeutschland ein ehernes Band.
Willkommen Du Reichsschmied im bergischen Land!“

Stiefel

Leder, um 1890

Mit etwa 1,90 Metern Körpergröße war Otto von Bismarck eine stattliche Erscheinung, was er bei öffentlichen Auftritten durch das Tragen einer Kürassier-Uniform samt hoher Stulpenstiefel häufig unterstrich. Diese messen knapp einen Meter und wären mit hochgekrempelter Stulpe in voller Höhe nur im Gefecht getragen worden. Die für gewöhnlich aus mehrlagigem Rindsleder gefertigten Stiefel fanden in vielen berittenen Einheiten Verwendung, wo sie auch in der hier ungepanzerten Version ohne Stahlplatte noch einen gewissen Schutz – beispielsweise vor Hieben – boten. Auf Höhe der Ferse ist ein der Befestigung des Sporns dienender Metallbügel zu erkennen, der wiederum durch einen auf dem Spann liegenden Lederriemen zusammengehalten wird. Bismarck gehörte zwar nur ehrenhalber zum Kürassier-Regiment v. Seydlitz (Magdeburgisches) Nr.7, war aber aufgrund dieser Tatsache zum Tragen der Regimentsuniform berechtigt, was die Stiefel mit einschloss; die hier abgebildeten Exemplare wurden um 1890 vom Altreichskanzler getragen.

Friedrich Carl August Graf und Edler Herr zur Lippe-Biesterfeld, Sternberg und Schwalenberg (1706 – 1781)

Gemälde von Johann Anton Tischbein (1720 – 1784), Öl/Leinwand
(Leihgabe der Stiftung Historische Museen Hamburg – Museum für Hamburgische Geschichte)

Graf Friedrich Karl August zur Lippe-Biesterfeld war Statthalter der Welfendynastie, die von 1689 bis 1814 im Herzogtum (Sachsen-)Lauenburg regierte. Zudem war er Pächter der Jagd im Sachsenwald. 1763 mietete er dort, wo das Flüsschen Schwarze Au überquert werden konnte, ein Forsthaus, 1767 kaufte er es und ließ es zum Jagdhaus ausbauen. 1777 setzte er sich darin zur Ruhe. Seinen Wohnsitz, den er fernab jeglicher Hektik sehr schätzte, bezeichnete er in Briefen als „Friedrichs-Ruhe“. Dieser Name sollte dem Ort erhalten bleiben. 1781 starb Graf Friedrich Karl August, er wurde auf dem Friedhof von Brunstorf bestattet. Das Jagdhaus wurde 1859 abgerissen.

Modell des Panzerkreuzers Fürst Bismarck

Metall/Holz, 1897

Im Rahmen des deutschen Schlachtflottenbaus wurde auch der Panzerkreuzer „Fürst Bismarck“ bei der Schiff- und Maschinenbau-AG Germania in Kiel gebaut. Am Tag seines Stapellaufs am 25. September 1897 wurde Bismarck dessen Modell samt Vitrine überreicht – offizieller Einsender war Prinz Heinrich von Preußen, der marineaffinste Hohenzollernprinz. Bismarck selbst nahm an der Schiffstaufe nicht teil, sondern ließ sich durch seine Schwiegertochter Sibylle vertreten.

Das drittgrößte Schiff der kaiserlichen Marine tat in der Folge vor allem in Ostasien Dienst, wo das Deutsche Reich mit dem Marinestützpunkt Tsingtau eine Kolonie auf chinesischem Boden erworben hatte. Bismarck stand der Marine und dem Ausgreifen der Kolonialpolitik nach Asien über viele Jahre skeptisch gegenüber, begrüßte letztere aber später offiziell. Das Modell des Panzerkreuzers ist damit ein Exponat, das ähnlich wie das Porträt Wilhelms II. eine harmonisierendere Aussage vermittelt, als es den Tatsachen entsprach. Kaum zufällig zählen beide zu den größten Objekten des Bismarck-Museums.

Gästebuch

8.5.1895 – 8.8.1898, Seite 25: Juni 1896, Eintrag des chinesischen Vizekönigs Li Hongzhang

Hinter dem Begriff Vizekönig verbarg sich eine Vereinfachung für eine schwierig ins Deutsche und in die deutschen Regierungsformen zu übertragende Machtposition, die General Li Hongzhang (1823 – 1901) als Staatsmann im China der Qing-Zeit innehatte. Obwohl er sich über Jahrzehnte als Reformer um seine Heimat verdient gemacht hatte, war sein Ruf angeschlagen, als er 1896 nach Europa kam – im Vorjahr hatte er im Vertrag von Shimonoseki die Niederlage Chinas im ersten Chinesisch-Japanischen Krieg anerkennen müssen.

Nach dem Besuch der Krönungsfeierlichkeiten von Zar Nikolaus II. reiste Li Hongzhang weiter nach Deutschland und besuchte Kaiser Wilhelm II. in Berlin. Dass er im Anschluss Werften und Hafenanlagen in Stettin, Kiel und Hamburg besuchte, gehörte zum Rahmen der diplomatisch-militärischen Informationsreise – der Besuch in Friedrichsruh hingegen nicht. Der chinesische Gast hatte diesen Programmpunkt ausdrücklich erbeten. Bismarck gewährte den Wunsch gern, konnte er sich doch so als Elder Statesman präsentieren.

Bismarck im Regenmantel

Fotografie von Hoffotograf A. Bockmann (Straßburg), Friedrichsruh, 14. Juni 1886, Reproduktion von 1892

Zu sehen ist Otto von Bismarck auf einem Spaziergang im Park des Herrenhauses, begleitet von seinen beiden Doggen, Tyras II und der zweiten Rebekka, „Beckchen“ gerufen. Er ließ sich sein Leben lang von Hunden begleiten. Schon als Student in Göttingen hielt er sich eine Dogge namens Ariel und die Vorliebe für diese großen Tiere hielt an, auch in seiner Zeit als Reichskanzler – sie firmierten schließlich im öffentlichen Sprachgebrauch sogar als „Reichshunde“. Auf vielen Fotografien und Zeichnungen, die ihn vor allem privat zeigen, ist einer seiner Hunde abgebildet, und in zahlreichen Büchern, die Bismarck gewidmet sind, finden sich Aufzählungen seiner vierbeinigen Begleiter und Anekdoten über deren (vermeintliche) Klugheit.

Ehrenschild

Entwurf von Adolf M. Hildebrandt, Fertigung von O. Schneider, W. Arndt und R. Ziech, Silber,/Emaille, zum 1. April 1895

Der Schild wurde im Auftrag der Bund der Landwirte gefertigt. Der Bund war 1893 als Opposition zur Handels- und Zollpolitik des Reichskanzlers Graf Leo von Caprivi, dem Nachfolger Bismarcks, gegründet worden und hatte 1894 bereits 200.000 Mitglieder.

Fackelzug

Gemälde von Ascan Lutteroth (1842 – 1923), Öl/Leinwand, datiert auf den 1.4.1895

Hamburger Bismarck-Verehrer veranstalteten einige Jahre lang in Friedrichsruh am Geburtstag des ersten Reichskanzlers am 1. April einen Fackelzug, so auch im Jahr 1895. Die prozessionsähnliche Veranstaltung zog durch den Park und schließlich an der Terrasse des Herrenhauses vorbei.

Meißner Porzellan

1895

Diese Schale, laut Inventarliste aus Meißner Porzellan und um das Jahr 1895 hergestellt, ist ein Blickfang unter den Geschenken, die den ersten Reichskanzler vor allem in seinen letzten Lebensjahren erreichten.

Schachspiel

Bombay/Indien, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts



Das Spielbrett besteht aus Sandelholz mit Schnitzereien, Elfenbein und einem Metallband-Zierrat. Die Figuren aus Elfenbein wurden in Lucknow (Lakhnau) hergestellt, einer Stadt 415 Kilometer südöstlich von Delhi. Die Parteien, Hindus gegen Moslems, unterscheiden sich durch ihre Turbane und Bärte. Der König sitzt auf einem Thron, neben ihm steht auf der heutigen Position der Dame der Wesir (Berater). Die Läufer werden als Kamelreiter gezeigt, die Springer als berittenes Pferd und der Turm als Elefantenreiter. Die Bauern treten als bewaffnete Krieger auf. Der Stil des Schachspiels entspricht mit großer Wahrscheinlichkeit dem sogenannten John-Company-Stil, der seinen Namen von der East-India-Company hat.



Das Schachspiel war ein Geschenk des Kaufmanns William Schönlank (1816-1897), einem einflussreichen Sammler und Kunstmäzen, zum 70. Geburtstag Bismarcks. Schönlank hatte das kunstvolle Objekt persönlich in Indien erworben, wo er eine Verkaufsausstellung in Kalkutta besucht hatte. Im Januar 1885 wurde Schönlank zum Konsul von El Salvador in Berlin ernannt, am 1. April schenkte er Bismarck das Schachspiel, drei Jahre später wurde er mit Bismarcks Bestätigung zum Generalkonsul des Deutschen Reichs in dem kleinen lateinamerikanischen Land ernannt.

Schachspiel

Bombay/Indien, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Das Spielbrett besteht aus Sandelholz mit Schnitzereien, Elfenbein und einem Metallband-Zierrat. Die Figuren aus Elfenbein wurden in Lucknow (Lakhnau) hergestellt, einer Stadt 415 Kilometer südöstlich von Delhi. Die Parteien, Hindus gegen Moslems, unterscheiden sich durch ihre Turbane und Bärte. Der König sitzt auf einem Thron, neben ihm steht auf der heutigen Position der Dame der Wesir (Berater). Die Läufer werden als Kamelreiter gezeigt, die Springer als berittenes Pferd und der Turm als Elefantenreiter. Die Bauern treten als bewaffnete Krieger auf. Der Stil des Schachspiels entspricht mit großer Wahrscheinlichkeit dem sogenannten John-Company-Stil, der seinen Namen von der East-India-Company hat.

Das Schachspiel war ein Geschenk des Kaufmanns William Schönlank (1816-1897), einem einflussreichen Sammler und Kunstmäzen, zum 70. Geburtstag Bismarcks. Schönlank hatte das kunstvolle Objekt persönlich in Indien erworben, wo er eine Verkaufsausstellung in Kalkutta besucht hatte. Im Januar 1885 wurde Schönlank zum Konsul von El Salvador in Berlin ernannt, am 1. April schenkte er Bismarck das Schachspiel, drei Jahre später wurde er mit Bismarcks Bestätigung zum Generalkonsul des Deutschen Reichs in dem kleinen lateinamerikanischen Land ernannt.

Schreibtisch des Fürsten von Bismarck (1878 – 1890)

Als Bismarck 1890 aus allem Ämtern entlassen wurde, ließ er aus seinem Berliner Amts- und Wohnsitz in der Alten Reichskanzlei nicht nur seine privaten Besitztümer, sondern auch Akten und seinen Schreibtisch nach Friedrichsruh bringen.

Bismarck hat insgesamt viele Jahre seines Lebens in Berlin verbracht. 1821 war er dort eingeschult worden und wurde zunächst in einem Internat untergebracht. Später lebte er in der elterlichen Wohnung unweit seines späteren Amtssitzes. Nach seinem Abitur 1832 verließ er zunächst die Stadt und kehrte nur zu kurzen Aufenthalten zurück. 1862 erfolgte die Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister. Bismarck zog mit seiner Familie in die Dienstwohnung in der Wilhelmstraße 76, dem Sitz der Abteilung des Preußischen Staatsministeriums für Auswärtiges und ab 1870 des neugegründeten Auswärtigen Amtes. 1875 kaufte das Kaiserreich auf Anraten Bismarcks das Palais Radziwiłł (vormals Palais Schulenburg) in der Wilhelmstraße 77 und ließ es als Reichskanzlei ausbauen. Diese diente Bismarck ab 1877 als Amts- und Wohnsitz.

Bismarck bei Kaiser Wilhelm I. im historischen Eckzimmer des königlichen Palais

Reproduktion des Aquarells von Konrad Siemenroth, 1887

Die Szene im Arbeitszimmer Kaiser Wilhelms I. zeigt ihn und Bismarck im letzten Jahr ihres Zusammenwirkens. Trotz ihres fast 30 Jahre währenden Vertrauensverhältnisses war der Monarch gelegentlich irritiert von den Eigenmächtigkeiten Bismarcks. Es sei „nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein“ – dieser Satz gehört zu den bekanntesten Zitaten Wilhelms I.

Das Arbeitszimmer Otto von Bismarcks

Dieser mit originalem Mobiliar ausgestattete Raum vermittelt einen Eindruck des Arbeitszimmers Otto von Bismarcks, das er sich in seinem Herrenhaus in Friedrichsruh eingerichtet hatte. Es war nach seinem Tod erhalten geblieben. Bei dem Luftbombardement am 29. April 1945, bei dem das Wohnhaus zerstört wurde, konnte die Einrichtung gerettet werden. Sie wurde in diesem Raum, der dem originalen Arbeitszimmer entspricht, neu aufgestellt. Die Chaiselongue und die Sofas dienten nicht nur Bismarck zum Ausruhen, sondern auch seinen Doggen.

Kürassier-Regiment „von Seydlitz“ (Magdeburgisches) Nr. 7

Das Bild zeigt das Regiment, in dem Otto von Bismarck seit dem 18. Oktober 1868 Offizier à la suite war.

Briefbeschwerer

Dieser Briefbeschwerer, der aus einer Kanonenkugel gefertigt wurde und auf dem Schreibtisch Otto von Bismarcks steht, erinnert an den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und an das erste moderne Panzerschiff Europas: Die „Rolf Krake“ wurde im dänischen Auftrag in Glasgow gebaut. Auf den Tag ihres einzigen erfolgreichen Einsatzes verweist das ebenfalls in den Sockel eingravierte Datum „28.3.1864“.

Reiseschreibtisch

An diesem Reiseschreibtisch mit einer praktischen Klapptischplatte ist der Versailler Vorfrieden unterzeichnet worden. Zumindest macht das ein zeitgenössisches Messingschild glauben: „Auf diesem Tisch ist der Präliminar-Frieden zwischen Deutschland und Frankreich am 26. Februar 1871 zu Versailles, rue de Provence No 14 unterzeichnet worden.“

Die Adresse stimmt mit Bismarcks Anschrift in Versailles überein, an der er im Haus einer (in dieser Zeit abwesenden) Madame Jeffé während der Belagerung von Paris einige Monate wohnte. Auch das Datum ist korrekt. Wenn auch die Objektgeschichte zutreffend ist, dann haben Bismarck für den Norddeutschen Bund, vier süddeutsche Ministerkollegen sowie Adolphe Thiers und Jules Favre für die Französische Republik an dem grazilen Möbelstück den Weg aus dem Krieg eingeschlagen.